Lektion 1.6

Die symmetrische Gruppe

25 min Lesezeit

Wir haben bereits in der Lektion über Gruppenbeispiele die symmetrische Gruppe SnS_n kennengelernt – die Gruppe aller Bijektionen einer endlichen Menge auf sich selbst. Jetzt wollen wir diese Gruppe genauer studieren.

Warum ist SnS_n so wichtig? Aus mehreren Gründen:

1. Universalität: Der Satz von Cayley besagt, dass jede endliche Gruppe isomorph zu einer Untergruppe einer geeigneten symmetrischen Gruppe ist. SnS_n enthält also "alle" endlichen Gruppen als Teilstrukturen.

2. Anwendungen: Die Elemente von SnS_n – die Permutationen – treten überall auf: in der Kombinatorik, bei der Definition der Determinante, in der Physik (Vertauschung identischer Teilchen).

3. Konkretheit: SnS_n ist eine endliche Gruppe, deren Elemente wir explizit aufschreiben und miteinander verknüpfen können.

Die Grundidee:

Wir betrachten eine Menge DD mit nn Elementen. Da die Namen der Elemente keine Rolle spielen, wählen wir die Standardmenge:

D={1,2,3,,n}D = \{1, 2, 3, \ldots, n\}

Eine Permutation von DD ist eine bijektive Abbildung σ:DD\sigma: D \to D. Sie ordnet jedem Element von DD ein eindeutiges Bild in DD zu, und jedes Element von DD wird genau einmal getroffen.

Die Menge aller Permutationen von DD mit der Komposition als Verknüpfung bildet eine Gruppe – die symmetrische Gruppe SnS_n.

Definition

Symmetrische Gruppe

Für eine natürliche Zahl n1n \geq 1 ist die symmetrische Gruppe SnS_n definiert als:

Sn:=Sym({1,2,,n})S_n := \text{Sym}(\{1, 2, \ldots, n\})

Das heißt: SnS_n ist die Menge aller bijektiven Abbildungen von {1,,n}\{1, \ldots, n\} nach sich selbst, versehen mit der Komposition \circ als Gruppenverknüpfung.

Gruppenstruktur:
- Verknüpfung: (στ)(i):=σ(τ(i))(\sigma \circ \tau)(i) := \sigma(\tau(i)) (erst τ\tau, dann σ\sigma)
- Neutrales Element: Die Identität Id\text{Id}, die jedes Element auf sich selbst abbildet
- Inverses zu σ\sigma: Die Umkehrabbildung σ1\sigma^{-1}

Sn=n!=n(n1)(n2)21|S_n| = n! = n \cdot (n-1) \cdot (n-2) \cdot \ldots \cdot 2 \cdot 1

Warum hat SnS_n genau n!n! Elemente?

Um eine Permutation σ\sigma festzulegen, müssen wir für jedes i{1,,n}i \in \{1, \ldots, n\} den Wert σ(i)\sigma(i) wählen – aber so, dass σ\sigma bijektiv bleibt.

  • Für σ(1)\sigma(1) haben wir nn Möglichkeiten
  • Für σ(2)\sigma(2) bleiben n1n-1 Möglichkeiten (da σ(1)\sigma(1) schon "vergeben" ist)
  • Für σ(3)\sigma(3) bleiben n2n-2 Möglichkeiten
  • ...und so weiter

Insgesamt: n(n1)(n2)21=n!n \cdot (n-1) \cdot (n-2) \cdot \ldots \cdot 2 \cdot 1 = n!

Die symmetrische Gruppe wächst also sehr schnell: S3=6|S_3| = 6, S4=24|S_4| = 24, S5=120|S_5| = 120, S10=3.628.800|S_{10}| = 3.628.800.

Beispiel

Die symmetrische Gruppe S3S_3

Die Gruppe S3S_3 besteht aus allen Bijektionen von {1,2,3}\{1, 2, 3\}. Sie hat 3!=63! = 6 Elemente.

Wir können jede Permutation durch eine Wertetabelle angeben:

Die Identität Id\text{Id}:
11,22,331 \mapsto 1, \quad 2 \mapsto 2, \quad 3 \mapsto 3

Die drei Transpositionen (Vertauschungen zweier Elemente):
τ1=(2  3)\tau_1 = (2\;3): 11,  23,  321 \mapsto 1, \; 2 \mapsto 3, \; 3 \mapsto 2
τ2=(1  3)\tau_2 = (1\;3): 13,  22,  311 \mapsto 3, \; 2 \mapsto 2, \; 3 \mapsto 1
τ3=(1  2)\tau_3 = (1\;2): 12,  21,  331 \mapsto 2, \; 2 \mapsto 1, \; 3 \mapsto 3

Die zwei Dreizykel (zyklische Vertauschungen):
ζ1=(1  2  3)\zeta_1 = (1\;2\;3): 12,  23,  311 \mapsto 2, \; 2 \mapsto 3, \; 3 \mapsto 1
ζ2=(1  3  2)\zeta_2 = (1\;3\;2): 13,  21,  321 \mapsto 3, \; 2 \mapsto 1, \; 3 \mapsto 2

Das sind genau 6 Elemente: S3={Id,τ1,τ2,τ3,ζ1,ζ2}S_3 = \{\text{Id}, \tau_1, \tau_2, \tau_3, \zeta_1, \zeta_2\}.

Beachte: S3S_3 ist nicht abelsch! Zum Beispiel: τ1τ2τ2τ1\tau_1 \circ \tau_2 \neq \tau_2 \circ \tau_1.

Definition

Zykelschreibweise

Die Wertetabelle wird bei größeren Permutationen unübersichtlich. Die Zykelschreibweise ist kompakter und zeigt die Struktur besser.

Ein kk-Zykel (x1  x2    xk)(x_1\; x_2\; \ldots\; x_k) ist die Permutation, die:
- x1x2x_1 \mapsto x_2
- x2x3x_2 \mapsto x_3
- ...
- xk1xkx_{k-1} \mapsto x_k
- xkx1x_k \mapsto x_1 (der "Kreis schließt sich")
- alle anderen Elemente fest lässt

Eine Transposition ist ein 2-Zykel, also eine Vertauschung zweier Elemente.

(x1  x2    xk):xixi+1 fu¨i<k,xkx1(x_1\; x_2\; \ldots\; x_k): \quad x_i \mapsto x_{i+1} \text{ für } i < k, \quad x_k \mapsto x_1
Beispiel

Zykelschreibweise konkret

Betrachten wir die Permutation σS7\sigma \in S_7 mit der Wertetabelle:

σ(1)=2,  σ(2)=5,  σ(3)=4,  σ(4)=7,  σ(5)=1,  σ(6)=3,  σ(7)=6\sigma(1)=2, \; \sigma(2)=5, \; \sigma(3)=4, \; \sigma(4)=7, \; \sigma(5)=1, \; \sigma(6)=3, \; \sigma(7)=6

Wir finden die Zykel, indem wir "Ketten" verfolgen:
- Beginne bei 1: 12511 \to 2 \to 5 \to 1 (zurück zum Start) \Rightarrow 3-Zykel (1  2  5)(1\;2\;5)
- Beginne bei 3: 347633 \to 4 \to 7 \to 6 \to 3 \Rightarrow 4-Zykel (3  4  7  6)(3\;4\;7\;6)

Damit: σ=(1  2  5)(3  4  7  6)\sigma = (1\;2\;5) \circ (3\;4\;7\;6)

Diese Zykel sind disjunkt (keine gemeinsamen Elemente), daher ist die Reihenfolge egal.

Satz

Zerlegung in disjunkte Zykel

Jede Permutation σSn\sigma \in S_n lässt sich eindeutig (bis auf Reihenfolge) als Produkt disjunkter Zykel schreiben.

Diese Darstellung heißt die Zykelzerlegung von σ\sigma.

Satz

SnS_n wird von Transpositionen erzeugt

Jede Permutation σSn\sigma \in S_n lässt sich als Produkt von Transpositionen schreiben.

Mit anderen Worten: Die Transpositionen erzeugen die gesamte Gruppe SnS_n.

Definition

Das Signum einer Permutation

Das Signum (oder Vorzeichen) einer Permutation σSn\sigma \in S_n ist definiert als:

sign(σ):=1i<jnσ(j)σ(i)ji\text{sign}(\sigma) := \prod_{1 \leq i < j \leq n} \frac{\sigma(j) - \sigma(i)}{j - i}

Da Zähler und Nenner bis auf Vorzeichen dieselben Faktoren enthalten, ist sign(σ){+1,1}\text{sign}(\sigma) \in \{+1, -1\}.

Eine Permutation heißt gerade, wenn sign(σ)=+1\text{sign}(\sigma) = +1, und ungerade, wenn sign(σ)=1\text{sign}(\sigma) = -1.

sign:Sn{±1},sign(στ)=sign(σ)sign(τ)\text{sign}: S_n \to \{\pm 1\}, \quad \text{sign}(\sigma \circ \tau) = \text{sign}(\sigma) \cdot \text{sign}(\tau)
Satz

Eigenschaften des Signums

Das Signum hat folgende wichtige Eigenschaften:

a) Das Signum ist ein Gruppenhomomorphismus: sign(στ)=sign(σ)sign(τ)\text{sign}(\sigma \circ \tau) = \text{sign}(\sigma) \cdot \text{sign}(\tau)

b) Jede Transposition hat Signum 1-1: sign((a  b))=1\text{sign}((a\;b)) = -1

c) Ein kk-Zykel hat Signum (1)k1(-1)^{k-1}

d) Wenn σ\sigma als Produkt von ll Transpositionen geschrieben ist, dann: sign(σ)=(1)l\text{sign}(\sigma) = (-1)^l

Die Anzahl ll ist zwar nicht eindeutig, aber ihre Parität (gerade/ungerade) ist es!

Zusammenfassung

  • SnS_n ist die Gruppe aller Permutationen von {1,,n}\{1, \ldots, n\} mit Sn=n!|S_n| = n!

  • Die Zykelschreibweise ist kompakter als Wertetabellen: (1  2  3)(1\;2\;3) bedeutet 12311 \to 2 \to 3 \to 1

  • Jede Permutation lässt sich eindeutig in disjunkte Zykel zerlegen

  • Jede Permutation ist ein Produkt von Transpositionen

  • Das Signum ist ein Homomorphismus sign:Sn{±1}\text{sign}: S_n \to \{\pm 1\}

  • Transpositionen haben Signum 1-1, ein kk-Zykel hat Signum (1)k1(-1)^{k-1}

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Wie viele Elemente hat die symmetrische Gruppe S5S_5?

Aufgabe 2Freitext

Bestimme die Zykelzerlegung der Permutation σS6\sigma \in S_6 mit σ(1)=3,σ(2)=1,σ(3)=2,σ(4)=6,σ(5)=5,σ(6)=4\sigma(1)=3, \sigma(2)=1, \sigma(3)=2, \sigma(4)=6, \sigma(5)=5, \sigma(6)=4.

Aufgabe 3Multiple Choice

Welches Signum hat der 5-Zykel (1  2  3  4  5)(1\;2\;3\;4\;5)?

Lektion 1.6 · Gruppen
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Die symmetrische Gruppe

Wir haben bereits in der Lektion über Gruppenbeispiele die symmetrische Gruppe SnS_n kennengelernt – die Gruppe aller Bijektionen einer endlichen Menge auf sich selbst. Jetzt wollen wir diese Gruppe genauer studieren.

Warum ist SnS_n so wichtig? Aus mehreren Gründen:

1. Universalität: Der Satz von Cayley besagt, dass jede endliche Gruppe isomorph zu einer Untergruppe einer geeigneten symmetrischen Gruppe ist. SnS_n enthält also "alle" endlichen Gruppen als Teilstrukturen.

2. Anwendungen: Die Elemente von SnS_n – die Permutationen – treten überall auf: in der Kombinatorik, bei der Definition der Determinante, in der Physik (Vertauschung identischer Teilchen).

3. Konkretheit: SnS_n ist eine endliche Gruppe, deren Elemente wir explizit aufschreiben und miteinander verknüpfen können.

Die Grundidee:

Wir betrachten eine Menge DD mit nn Elementen. Da die Namen der Elemente keine Rolle spielen, wählen wir die Standardmenge:

D={1,2,3,,n}D = \{1, 2, 3, \ldots, n\}

Eine Permutation von DD ist eine bijektive Abbildung σ:DD\sigma: D \to D. Sie ordnet jedem Element von DD ein eindeutiges Bild in DD zu, und jedes Element von DD wird genau einmal getroffen.

Die Menge aller Permutationen von DD mit der Komposition als Verknüpfung bildet eine Gruppe – die symmetrische Gruppe SnS_n.

Definition

Symmetrische Gruppe

Für eine natürliche Zahl n1n \geq 1 ist die symmetrische Gruppe SnS_n definiert als:

Sn:=Sym({1,2,,n})S_n := \text{Sym}(\{1, 2, \ldots, n\})

Das heißt: SnS_n ist die Menge aller bijektiven Abbildungen von {1,,n}\{1, \ldots, n\} nach sich selbst, versehen mit der Komposition \circ als Gruppenverknüpfung.

Gruppenstruktur:
- Verknüpfung: (στ)(i):=σ(τ(i))(\sigma \circ \tau)(i) := \sigma(\tau(i)) (erst τ\tau, dann σ\sigma)
- Neutrales Element: Die Identität Id\text{Id}, die jedes Element auf sich selbst abbildet
- Inverses zu σ\sigma: Die Umkehrabbildung σ1\sigma^{-1}

Sn=n!=n(n1)(n2)21|S_n| = n! = n \cdot (n-1) \cdot (n-2) \cdot \ldots \cdot 2 \cdot 1

Warum hat SnS_n genau n!n! Elemente?

Um eine Permutation σ\sigma festzulegen, müssen wir für jedes i{1,,n}i \in \{1, \ldots, n\} den Wert σ(i)\sigma(i) wählen – aber so, dass σ\sigma bijektiv bleibt.

  • Für σ(1)\sigma(1) haben wir nn Möglichkeiten
  • Für σ(2)\sigma(2) bleiben n1n-1 Möglichkeiten (da σ(1)\sigma(1) schon "vergeben" ist)
  • Für σ(3)\sigma(3) bleiben n2n-2 Möglichkeiten
  • ...und so weiter

Insgesamt: n(n1)(n2)21=n!n \cdot (n-1) \cdot (n-2) \cdot \ldots \cdot 2 \cdot 1 = n!

Die symmetrische Gruppe wächst also sehr schnell: S3=6|S_3| = 6, S4=24|S_4| = 24, S5=120|S_5| = 120, S10=3.628.800|S_{10}| = 3.628.800.

Beispiel

Die symmetrische Gruppe S3S_3

Die Gruppe S3S_3 besteht aus allen Bijektionen von {1,2,3}\{1, 2, 3\}. Sie hat 3!=63! = 6 Elemente.

Wir können jede Permutation durch eine Wertetabelle angeben:

Die Identität Id\text{Id}:
11,22,331 \mapsto 1, \quad 2 \mapsto 2, \quad 3 \mapsto 3

Die drei Transpositionen (Vertauschungen zweier Elemente):
τ1=(2  3)\tau_1 = (2\;3): 11,  23,  321 \mapsto 1, \; 2 \mapsto 3, \; 3 \mapsto 2
τ2=(1  3)\tau_2 = (1\;3): 13,  22,  311 \mapsto 3, \; 2 \mapsto 2, \; 3 \mapsto 1
τ3=(1  2)\tau_3 = (1\;2): 12,  21,  331 \mapsto 2, \; 2 \mapsto 1, \; 3 \mapsto 3

Die zwei Dreizykel (zyklische Vertauschungen):
ζ1=(1  2  3)\zeta_1 = (1\;2\;3): 12,  23,  311 \mapsto 2, \; 2 \mapsto 3, \; 3 \mapsto 1
ζ2=(1  3  2)\zeta_2 = (1\;3\;2): 13,  21,  321 \mapsto 3, \; 2 \mapsto 1, \; 3 \mapsto 2

Das sind genau 6 Elemente: S3={Id,τ1,τ2,τ3,ζ1,ζ2}S_3 = \{\text{Id}, \tau_1, \tau_2, \tau_3, \zeta_1, \zeta_2\}.

Beachte: S3S_3 ist nicht abelsch! Zum Beispiel: τ1τ2τ2τ1\tau_1 \circ \tau_2 \neq \tau_2 \circ \tau_1.

Definition

Zykelschreibweise

Die Wertetabelle wird bei größeren Permutationen unübersichtlich. Die Zykelschreibweise ist kompakter und zeigt die Struktur besser.

Ein kk-Zykel (x1  x2    xk)(x_1\; x_2\; \ldots\; x_k) ist die Permutation, die:
- x1x2x_1 \mapsto x_2
- x2x3x_2 \mapsto x_3
- ...
- xk1xkx_{k-1} \mapsto x_k
- xkx1x_k \mapsto x_1 (der "Kreis schließt sich")
- alle anderen Elemente fest lässt

Eine Transposition ist ein 2-Zykel, also eine Vertauschung zweier Elemente.

(x1  x2    xk):xixi+1 fu¨i<k,xkx1(x_1\; x_2\; \ldots\; x_k): \quad x_i \mapsto x_{i+1} \text{ für } i < k, \quad x_k \mapsto x_1
Beispiel

Zykelschreibweise konkret

Betrachten wir die Permutation σS7\sigma \in S_7 mit der Wertetabelle:

σ(1)=2,  σ(2)=5,  σ(3)=4,  σ(4)=7,  σ(5)=1,  σ(6)=3,  σ(7)=6\sigma(1)=2, \; \sigma(2)=5, \; \sigma(3)=4, \; \sigma(4)=7, \; \sigma(5)=1, \; \sigma(6)=3, \; \sigma(7)=6

Wir finden die Zykel, indem wir "Ketten" verfolgen:
- Beginne bei 1: 12511 \to 2 \to 5 \to 1 (zurück zum Start) \Rightarrow 3-Zykel (1  2  5)(1\;2\;5)
- Beginne bei 3: 347633 \to 4 \to 7 \to 6 \to 3 \Rightarrow 4-Zykel (3  4  7  6)(3\;4\;7\;6)

Damit: σ=(1  2  5)(3  4  7  6)\sigma = (1\;2\;5) \circ (3\;4\;7\;6)

Diese Zykel sind disjunkt (keine gemeinsamen Elemente), daher ist die Reihenfolge egal.

Satz

Zerlegung in disjunkte Zykel

Jede Permutation σSn\sigma \in S_n lässt sich eindeutig (bis auf Reihenfolge) als Produkt disjunkter Zykel schreiben.

Diese Darstellung heißt die Zykelzerlegung von σ\sigma.

Beweis

Die Idee ist einfach: Wir verfolgen die "Bahnen" der einzelnen Elemente.

Starte bei 1 und bilde die Folge 1,σ(1),σ2(1),1, \sigma(1), \sigma^2(1), \ldots. Da {1,,n}\{1, \ldots, n\} endlich ist, muss irgendwann ein Wert wiederholt werden. Der erste, der sich wiederholt, ist 1 selbst (weil σ\sigma bijektiv ist).

Sei kk minimal mit σk(1)=1\sigma^k(1) = 1. Dann ist (1  σ(1)  σ2(1)    σk1(1))(1\; \sigma(1)\; \sigma^2(1)\; \ldots\; \sigma^{k-1}(1)) ein kk-Zykel.

Falls noch Elemente übrig sind, wiederhole den Prozess mit dem kleinsten noch nicht erfassten Element. Da die entstehenden Zykel verschiedene Elemente enthalten, sind sie disjunkt.

q.e.d.
Satz

SnS_n wird von Transpositionen erzeugt

Jede Permutation σSn\sigma \in S_n lässt sich als Produkt von Transpositionen schreiben.

Mit anderen Worten: Die Transpositionen erzeugen die gesamte Gruppe SnS_n.

Beweis

Wir nutzen, dass sich jeder kk-Zykel als Produkt von k1k-1 Transpositionen schreiben lässt:

(x1  x2    xk)=(x1  x2)(x2  x3)(xk1  xk)(x_1\; x_2\; \ldots\; x_k) = (x_1\; x_2) \circ (x_2\; x_3) \circ \ldots \circ (x_{k-1}\; x_k)

Zur Verifikation: Die rechte Seite bildet xix_i auf xi+1x_{i+1} ab (für i<ki < k), und xkx_k auf x1x_1.

Da jede Permutation ein Produkt von Zykeln ist und jeder Zykel ein Produkt von Transpositionen, ist jede Permutation ein Produkt von Transpositionen.

q.e.d.
Definition

Das Signum einer Permutation

Das Signum (oder Vorzeichen) einer Permutation σSn\sigma \in S_n ist definiert als:

sign(σ):=1i<jnσ(j)σ(i)ji\text{sign}(\sigma) := \prod_{1 \leq i < j \leq n} \frac{\sigma(j) - \sigma(i)}{j - i}

Da Zähler und Nenner bis auf Vorzeichen dieselben Faktoren enthalten, ist sign(σ){+1,1}\text{sign}(\sigma) \in \{+1, -1\}.

Eine Permutation heißt gerade, wenn sign(σ)=+1\text{sign}(\sigma) = +1, und ungerade, wenn sign(σ)=1\text{sign}(\sigma) = -1.

sign:Sn{±1},sign(στ)=sign(σ)sign(τ)\text{sign}: S_n \to \{\pm 1\}, \quad \text{sign}(\sigma \circ \tau) = \text{sign}(\sigma) \cdot \text{sign}(\tau)
Satz

Eigenschaften des Signums

Das Signum hat folgende wichtige Eigenschaften:

a) Das Signum ist ein Gruppenhomomorphismus: sign(στ)=sign(σ)sign(τ)\text{sign}(\sigma \circ \tau) = \text{sign}(\sigma) \cdot \text{sign}(\tau)

b) Jede Transposition hat Signum 1-1: sign((a  b))=1\text{sign}((a\;b)) = -1

c) Ein kk-Zykel hat Signum (1)k1(-1)^{k-1}

d) Wenn σ\sigma als Produkt von ll Transpositionen geschrieben ist, dann: sign(σ)=(1)l\text{sign}(\sigma) = (-1)^l

Die Anzahl ll ist zwar nicht eindeutig, aber ihre Parität (gerade/ungerade) ist es!

Beweis

Zu b): Für die Transposition τ=(1  2)\tau = (1\;2) zählen wir die Faktoren im Produkt, die negativ werden: Nur der Faktor für (i,j)=(1,2)(i,j) = (1,2) ändert das Vorzeichen. Also sign((1  2))=1\text{sign}((1\;2)) = -1.

Jede andere Transposition (a  b)(a\;b) ist konjugiert zu (1  2)(1\;2): Es gibt ein π\pi mit (a  b)=π1(1  2)π(a\;b) = \pi^{-1} \circ (1\;2) \circ \pi. Da das Signum ein Homomorphismus ist, folgt sign((a  b))=1\text{sign}((a\;b)) = -1.

Zu c): Ein kk-Zykel ist das Produkt von k1k-1 Transpositionen, also sign=(1)k1\text{sign} = (-1)^{k-1}.

q.e.d.

Zusammenfassung

  • SnS_n ist die Gruppe aller Permutationen von {1,,n}\{1, \ldots, n\} mit Sn=n!|S_n| = n!

  • Die Zykelschreibweise ist kompakter als Wertetabellen: (1  2  3)(1\;2\;3) bedeutet 12311 \to 2 \to 3 \to 1

  • Jede Permutation lässt sich eindeutig in disjunkte Zykel zerlegen

  • Jede Permutation ist ein Produkt von Transpositionen

  • Das Signum ist ein Homomorphismus sign:Sn{±1}\text{sign}: S_n \to \{\pm 1\}

  • Transpositionen haben Signum 1-1, ein kk-Zykel hat Signum (1)k1(-1)^{k-1}