Lektion 1.5

Homomorphismen von Gruppen

30 min Lesezeit

Bisher haben wir einzelne Gruppen betrachtet und ihre innere Struktur untersucht: Untergruppen, Erzeugendensysteme, zyklische Gruppen. Jetzt erweitern wir unseren Blick und fragen: Wie hängen verschiedene Gruppen zusammen?

In der modernen Mathematik ist es ein fundamentales Prinzip, nicht nur Objekte zu studieren, sondern vor allem die Abbildungen zwischen ihnen. Diese Sichtweise – das Studium von "Morphismen" – durchzieht die gesamte Algebra und darüber hinaus.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Wir haben zwei Gruppen (G,)(G, *) und (H,)(H, \circ). Eine beliebige Abbildung f:GHf: G \to H würde die Gruppenstruktur komplett ignorieren. Aber was wäre, wenn die Abbildung die Struktur "respektiert"?

Die Grundidee:

Eine "gute" Abbildung zwischen Gruppen sollte die Verknüpfung respektieren. Was bedeutet das konkret?

Wenn wir zwei Elemente a,bGa, b \in G haben, können wir sie auf zwei Arten nach HH bringen:

Weg 1: Erst verknüpfen, dann abbilden: abf(ab)a * b \mapsto f(a * b)

Weg 2: Erst abbilden, dann verknüpfen: af(a),  bf(b),  a \mapsto f(a), \; b \mapsto f(b), \; dann f(a)f(b)f(a) \circ f(b)

Eine strukturerhaltende Abbildung ist eine, bei der beide Wege zum gleichen Ergebnis führen. Diese Idee führt uns zur zentralen Definition dieses Abschnitts.

Definition

Gruppenhomomorphismus

Es seien (G,)(G, *) und (H,)(H, \circ) zwei Gruppen. Eine Abbildung f:GHf: G \to H heißt (Gruppen-)Homomorphismus, wenn für alle x,yGx, y \in G gilt:

f(xy)=f(x)f(y)f(x * y) = f(x) \circ f(y)

Die Abbildung "übersetzt" also die Verknüpfung in GG in die Verknüpfung in HH. Links steht: "erst verknüpfen, dann abbilden". Rechts steht: "erst abbilden, dann verknüpfen". Die Homomorphismus-Eigenschaft fordert, dass beides dasselbe ergibt.

Die Menge aller Homomorphismen von GG nach HH wird mit Hom(G,H)\text{Hom}(G, H) bezeichnet.

f:GH ist Homomorphismus    x,yG:f(xy)=f(x)f(y)f: G \to H \text{ ist Homomorphismus} \;\Leftrightarrow\; \forall x, y \in G: f(x * y) = f(x) \circ f(y)
Beispiel

Der triviale Homomorphismus

Für je zwei Gruppen GG und HH gibt es immer mindestens einen Homomorphismus: den trivialen Homomorphismus, der jedes Element auf das neutrale Element abbildet.

Sei f:GHf: G \to H definiert durch f(x):=eHf(x) := e_H für alle xGx \in G.

Ist das wirklich ein Homomorphismus? Wir prüfen:
f(xy)=eH=eHeH=f(x)f(y)f(x * y) = e_H = e_H \circ e_H = f(x) \circ f(y)

Ja! Der triviale Homomorphismus ist nicht sehr interessant, aber er zeigt, dass Hom(G,H)\text{Hom}(G, H) nie leer ist.

Beispiel

Die Exponentialfunktion

Ein wunderschönes Beispiel: Die Abbildung exp:(R,+)(R>0,)\exp: (\mathbb{R}, +) \to (\mathbb{R}_{>0}, \cdot) ist ein Homomorphismus.

Wir erinnern uns an die fundamentale Eigenschaft der e-Funktion aus der Analysis:
ea+b=eaebe^{a + b} = e^a \cdot e^b

In unserer Sprache: exp(a+b)=exp(a)exp(b)\exp(a + b) = \exp(a) \cdot \exp(b)

Links steht die Gruppenverknüpfung in (R,+)(\mathbb{R}, +) – die Addition.
Rechts steht die Gruppenverknüpfung in (R>0,)(\mathbb{R}_{>0}, \cdot) – die Multiplikation.

Die Exponentialfunktion "übersetzt" Addition in Multiplikation! Dies ist kein Zufall, sondern der tiefere Grund, warum Logarithmenrechnen funktioniert.

Historisch wurden Logarithmentafeln genau aus diesem Grund erfunden: Um Multiplikationen (aufwendig) durch Additionen (einfach) zu ersetzen.

Beispiel

Potenzen eines festen Elements

Sei HH eine beliebige Gruppe und hHh \in H ein festes Element. Dann ist die Abbildung

f:(Z,+)H,f(n):=hnf: (\mathbb{Z}, +) \to H, \quad f(n) := h^n

ein Homomorphismus. Dabei ist hnh^n die nn-te Potenz von hh (für negative nn entsprechend hn=(h1)nh^n = (h^{-1})^{|n|}).

Warum ist das ein Homomorphismus?
f(m+n)=hm+n=hmhn=f(m)f(n)f(m + n) = h^{m+n} = h^m \cdot h^n = f(m) \cdot f(n)

Das Bild dieses Homomorphismus ist genau die von hh erzeugte Untergruppe h\langle h \rangle.

Satz

Eigenschaften von Homomorphismen

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Dann gelten:

a) f(eG)=eHf(e_G) = e_H (Das neutrale Element wird auf das neutrale Element abgebildet)

b) Für alle gGg \in G: f(g1)=f(g)1f(g^{-1}) = f(g)^{-1} (Inverse werden auf Inverse abgebildet)

Diese Eigenschaften folgen zwingend aus der Homomorphismus-Eigenschaft – wir müssen sie nicht extra fordern!

Definition

Spezielle Typen von Homomorphismen

Je nach Eigenschaften der Abbildung hat ein Homomorphismus verschiedene Namen:

Monomorphismus: Ein injektiver Homomorphismus.
(Verschiedene Elemente werden auf verschiedene Elemente abgebildet. "Mono" = einzeln, allein)

Epimorphismus: Ein surjektiver Homomorphismus.
(Jedes Element in HH wird getroffen. "Epi" = auf, über)

Isomorphismus: Ein bijektiver Homomorphismus.
(Injektiv und surjektiv. Dies ist der wichtigste Begriff!)

Endomorphismus: Ein Homomorphismus von GG in sich selbst, also f:GGf: G \to G.
("Endo" = innen)

Automorphismus: Ein bijektiver Endomorphismus, also ein Isomorphismus von GG nach GG.
("Auto" = selbst)

Aut(G):={f:GGf ist Automorphismus}\text{Aut}(G) := \{f: G \to G \mid f \text{ ist Automorphismus}\}

Warum sind Isomorphismen so wichtig?

Wenn es einen Isomorphismus f:GHf: G \to H gibt, dann sind GG und HH aus algebraischer Sicht identisch. Sie unterscheiden sich nur durch die "Namen" ihrer Elemente.

Die Bijektion ff stellt eine vollständige Korrespondenz her:
- Jedes gGg \in G entspricht genau einem f(g)Hf(g) \in H
- Die Verknüpfungen entsprechen einander: g1g2g_1 * g_2 in GG entspricht f(g1)f(g2)f(g_1) \circ f(g_2) in HH

Wenn GHG \cong H (sprich: "GG ist isomorph zu HH"), dann hat jede algebraische Aussage über GG eine entsprechende Aussage über HH – und umgekehrt.

Beispiel

Isomorphie konkreter Gruppen

Die Gruppen (Z,+)(\mathbb{Z}, +) und (2Z,+)(2\mathbb{Z}, +) sind isomorph.

Der Isomorphismus ist f:Z2Zf: \mathbb{Z} \to 2\mathbb{Z}, f(n):=2nf(n) := 2n (Verdopplung).

Injektiv? Wenn 2m=2n2m = 2n, dann m=nm = n. Ja!
Surjektiv? Jede gerade Zahl 2k2k ist das Bild von kk. Ja!
Homomorphismus? f(m+n)=2(m+n)=2m+2n=f(m)+f(n)f(m + n) = 2(m + n) = 2m + 2n = f(m) + f(n). Ja!

Obwohl 2Z2\mathbb{Z} eine echte Teilmenge von Z\mathbb{Z} ist, sind die beiden Gruppen strukturell gleich!

Definition

Kern eines Homomorphismus

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Der Kern von ff ist die Menge aller Elemente, die auf das neutrale Element abgebildet werden:

Kern(f):={gGf(g)=eH}=f1({eH})\text{Kern}(f) := \{g \in G \mid f(g) = e_H\} = f^{-1}(\{e_H\})

Der Kern misst, wie "weit weg" der Homomorphismus von der Injektivität ist.

Kern(f)={gGf(g)=eH}\text{Kern}(f) = \{g \in G \mid f(g) = e_H\}
Satz

Zusammenhang: Kern und Injektivität

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Dann gilt:

ff ist injektiv \Leftrightarrow Kern(f)={eG}\text{Kern}(f) = \{e_G\}

Der Kern besteht also genau dann nur aus dem neutralen Element, wenn ff injektiv ist.

Definition

Bild eines Homomorphismus

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Das Bild von ff ist die Menge aller Elemente in HH, die von ff getroffen werden:

Bild(f):={f(g)gG}=f(G)H\text{Bild}(f) := \{f(g) \mid g \in G\} = f(G) \subseteq H

Offensichtlich gilt: ff ist surjektiv \Leftrightarrow Bild(f)=H\text{Bild}(f) = H.

Bild(f)={f(g)gG}\text{Bild}(f) = \{f(g) \mid g \in G\}
Satz

Kern und Bild sind Untergruppen

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Dann gilt:

a) Kern(f)\text{Kern}(f) ist eine Untergruppe von GG.

b) Bild(f)\text{Bild}(f) ist eine Untergruppe von HH.

Homomorphismen liefern uns also automatisch Untergruppen!

Beispiel

Kern der Exponentialfunktion

Betrachten wir nochmals exp:(R,+)(R>0,)\exp: (\mathbb{R}, +) \to (\mathbb{R}_{>0}, \cdot).

Kern: Welche reellen Zahlen xx erfüllen ex=1e^x = 1? Nur x=0x = 0!
Also: Kern(exp)={0}\text{Kern}(\exp) = \{0\}

Da der Kern nur aus dem neutralen Element besteht, ist exp\exp injektiv.

Bild: Jede positive reelle Zahl y>0y > 0 kann als y=elnyy = e^{\ln y} geschrieben werden.
Also: Bild(exp)=R>0\text{Bild}(\exp) = \mathbb{R}_{>0}

Da das Bild ganz R>0\mathbb{R}_{>0} ist, ist exp\exp surjektiv.

Zusammen: exp\exp ist ein Isomorphismus zwischen (R,+)(\mathbb{R}, +) und (R>0,)(\mathbb{R}_{>0}, \cdot)!

Beispiel

Der Signum-Homomorphismus

Die Abbildung φ:(Z,+)({1,1},)\varphi: (\mathbb{Z}, +) \to (\{1, -1\}, \cdot), definiert durch φ(n):=(1)n\varphi(n) := (-1)^n, ist ein Homomorphismus.

Prüfung: φ(m+n)=(1)m+n=(1)m(1)n=φ(m)φ(n)\varphi(m + n) = (-1)^{m+n} = (-1)^m \cdot (-1)^n = \varphi(m) \cdot \varphi(n)

Kern: Wann ist (1)n=1(-1)^n = 1? Genau dann, wenn nn gerade ist.
Also: Kern(φ)=2Z\text{Kern}(\varphi) = 2\mathbb{Z} (die geraden Zahlen)

Bild: Da φ(0)=1\varphi(0) = 1 und φ(1)=1\varphi(1) = -1, ist Bild(φ)={1,1}\text{Bild}(\varphi) = \{1, -1\}.

Der Homomorphismus ist surjektiv, aber nicht injektiv (da der Kern mehr als nur {0}\{0\} enthält).

Satz

Komposition von Homomorphismen

Seien f:GHf: G \to H und g:HKg: H \to K Gruppenhomomorphismen. Dann ist auch die Komposition gf:GKg \circ f: G \to K ein Gruppenhomomorphismus.

Ausserdem: Das Inverse eines Isomorphismus ist wieder ein Isomorphismus.

Zusammenfassung

  • Ein Homomorphismus f:GHf: G \to H erfüllt f(xy)=f(x)f(y)f(xy) = f(x)f(y) – er respektiert die Gruppenstruktur

  • Homomorphismen bilden eGe_G auf eHe_H und Inverse auf Inverse ab

  • Monomorphismus = injektiv, Epimorphismus = surjektiv, Isomorphismus = bijektiv

  • Der Kern Kern(f)=f1({eH})\text{Kern}(f) = f^{-1}(\{e_H\}) ist eine Untergruppe von GG

  • Das Bild Bild(f)=f(G)\text{Bild}(f) = f(G) ist eine Untergruppe von HH

  • ff ist injektiv \Leftrightarrow Kern(f)={eG}\text{Kern}(f) = \{e_G\}

  • Isomorphe Gruppen (GHG \cong H) sind algebraisch identisch

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Was ist ein Automorphismus?

Aufgabe 2Freitext

Bestimme den Kern des Homomorphismus φ:(Z,+)({1,1},)\varphi: (\mathbb{Z}, +) \to (\{1, -1\}, \cdot), definiert durch φ(n)=(1)n\varphi(n) = (-1)^n.

Aufgabe 3Multiple Choice

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Welche Aussage ist äquivalent zu "ff ist injektiv"?

Lektion 1.5 · Gruppen
• • •

Homomorphismen von Gruppen

Bisher haben wir einzelne Gruppen betrachtet und ihre innere Struktur untersucht: Untergruppen, Erzeugendensysteme, zyklische Gruppen. Jetzt erweitern wir unseren Blick und fragen: Wie hängen verschiedene Gruppen zusammen?

In der modernen Mathematik ist es ein fundamentales Prinzip, nicht nur Objekte zu studieren, sondern vor allem die Abbildungen zwischen ihnen. Diese Sichtweise – das Studium von "Morphismen" – durchzieht die gesamte Algebra und darüber hinaus.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Wir haben zwei Gruppen (G,)(G, *) und (H,)(H, \circ). Eine beliebige Abbildung f:GHf: G \to H würde die Gruppenstruktur komplett ignorieren. Aber was wäre, wenn die Abbildung die Struktur "respektiert"?

Die Grundidee:

Eine "gute" Abbildung zwischen Gruppen sollte die Verknüpfung respektieren. Was bedeutet das konkret?

Wenn wir zwei Elemente a,bGa, b \in G haben, können wir sie auf zwei Arten nach HH bringen:

Weg 1: Erst verknüpfen, dann abbilden: abf(ab)a * b \mapsto f(a * b)

Weg 2: Erst abbilden, dann verknüpfen: af(a),  bf(b),  a \mapsto f(a), \; b \mapsto f(b), \; dann f(a)f(b)f(a) \circ f(b)

Eine strukturerhaltende Abbildung ist eine, bei der beide Wege zum gleichen Ergebnis führen. Diese Idee führt uns zur zentralen Definition dieses Abschnitts.

Definition

Gruppenhomomorphismus

Es seien (G,)(G, *) und (H,)(H, \circ) zwei Gruppen. Eine Abbildung f:GHf: G \to H heißt (Gruppen-)Homomorphismus, wenn für alle x,yGx, y \in G gilt:

f(xy)=f(x)f(y)f(x * y) = f(x) \circ f(y)

Die Abbildung "übersetzt" also die Verknüpfung in GG in die Verknüpfung in HH. Links steht: "erst verknüpfen, dann abbilden". Rechts steht: "erst abbilden, dann verknüpfen". Die Homomorphismus-Eigenschaft fordert, dass beides dasselbe ergibt.

Die Menge aller Homomorphismen von GG nach HH wird mit Hom(G,H)\text{Hom}(G, H) bezeichnet.

f:GH ist Homomorphismus    x,yG:f(xy)=f(x)f(y)f: G \to H \text{ ist Homomorphismus} \;\Leftrightarrow\; \forall x, y \in G: f(x * y) = f(x) \circ f(y)
Beispiel

Der triviale Homomorphismus

Für je zwei Gruppen GG und HH gibt es immer mindestens einen Homomorphismus: den trivialen Homomorphismus, der jedes Element auf das neutrale Element abbildet.

Sei f:GHf: G \to H definiert durch f(x):=eHf(x) := e_H für alle xGx \in G.

Ist das wirklich ein Homomorphismus? Wir prüfen:
f(xy)=eH=eHeH=f(x)f(y)f(x * y) = e_H = e_H \circ e_H = f(x) \circ f(y)

Ja! Der triviale Homomorphismus ist nicht sehr interessant, aber er zeigt, dass Hom(G,H)\text{Hom}(G, H) nie leer ist.

Beispiel

Die Exponentialfunktion

Ein wunderschönes Beispiel: Die Abbildung exp:(R,+)(R>0,)\exp: (\mathbb{R}, +) \to (\mathbb{R}_{>0}, \cdot) ist ein Homomorphismus.

Wir erinnern uns an die fundamentale Eigenschaft der e-Funktion aus der Analysis:
ea+b=eaebe^{a + b} = e^a \cdot e^b

In unserer Sprache: exp(a+b)=exp(a)exp(b)\exp(a + b) = \exp(a) \cdot \exp(b)

Links steht die Gruppenverknüpfung in (R,+)(\mathbb{R}, +) – die Addition.
Rechts steht die Gruppenverknüpfung in (R>0,)(\mathbb{R}_{>0}, \cdot) – die Multiplikation.

Die Exponentialfunktion "übersetzt" Addition in Multiplikation! Dies ist kein Zufall, sondern der tiefere Grund, warum Logarithmenrechnen funktioniert.

Historisch wurden Logarithmentafeln genau aus diesem Grund erfunden: Um Multiplikationen (aufwendig) durch Additionen (einfach) zu ersetzen.

Beispiel

Potenzen eines festen Elements

Sei HH eine beliebige Gruppe und hHh \in H ein festes Element. Dann ist die Abbildung

f:(Z,+)H,f(n):=hnf: (\mathbb{Z}, +) \to H, \quad f(n) := h^n

ein Homomorphismus. Dabei ist hnh^n die nn-te Potenz von hh (für negative nn entsprechend hn=(h1)nh^n = (h^{-1})^{|n|}).

Warum ist das ein Homomorphismus?
f(m+n)=hm+n=hmhn=f(m)f(n)f(m + n) = h^{m+n} = h^m \cdot h^n = f(m) \cdot f(n)

Das Bild dieses Homomorphismus ist genau die von hh erzeugte Untergruppe h\langle h \rangle.

Satz

Eigenschaften von Homomorphismen

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Dann gelten:

a) f(eG)=eHf(e_G) = e_H (Das neutrale Element wird auf das neutrale Element abgebildet)

b) Für alle gGg \in G: f(g1)=f(g)1f(g^{-1}) = f(g)^{-1} (Inverse werden auf Inverse abgebildet)

Diese Eigenschaften folgen zwingend aus der Homomorphismus-Eigenschaft – wir müssen sie nicht extra fordern!

Beweis

Beweis von a):
Wir nutzen, dass eGeG=eGe_G * e_G = e_G gilt. Dann:
f(eG)=f(eGeG)=f(eG)f(eG)f(e_G) = f(e_G * e_G) = f(e_G) \circ f(e_G)

Jetzt multiplizieren wir beide Seiten von links mit f(eG)1f(e_G)^{-1}:
f(eG)1f(eG)=f(eG)1f(eG)f(eG)f(e_G)^{-1} \circ f(e_G) = f(e_G)^{-1} \circ f(e_G) \circ f(e_G)
eH=f(eG)e_H = f(e_G)

Beweis von b):
Für gGg \in G gilt gg1=eGg * g^{-1} = e_G. Also:
f(gg1)=f(eG)=eHf(g * g^{-1}) = f(e_G) = e_H (nach Teil a)

Andererseits:
f(gg1)=f(g)f(g1)f(g * g^{-1}) = f(g) \circ f(g^{-1})

Zusammen: f(g)f(g1)=eHf(g) \circ f(g^{-1}) = e_H

Das bedeutet aber genau, dass f(g1)f(g^{-1}) das Inverse zu f(g)f(g) ist, also f(g1)=f(g)1f(g^{-1}) = f(g)^{-1}.

q.e.d.
Definition

Spezielle Typen von Homomorphismen

Je nach Eigenschaften der Abbildung hat ein Homomorphismus verschiedene Namen:

Monomorphismus: Ein injektiver Homomorphismus.
(Verschiedene Elemente werden auf verschiedene Elemente abgebildet. "Mono" = einzeln, allein)

Epimorphismus: Ein surjektiver Homomorphismus.
(Jedes Element in HH wird getroffen. "Epi" = auf, über)

Isomorphismus: Ein bijektiver Homomorphismus.
(Injektiv und surjektiv. Dies ist der wichtigste Begriff!)

Endomorphismus: Ein Homomorphismus von GG in sich selbst, also f:GGf: G \to G.
("Endo" = innen)

Automorphismus: Ein bijektiver Endomorphismus, also ein Isomorphismus von GG nach GG.
("Auto" = selbst)

Aut(G):={f:GGf ist Automorphismus}\text{Aut}(G) := \{f: G \to G \mid f \text{ ist Automorphismus}\}

Warum sind Isomorphismen so wichtig?

Wenn es einen Isomorphismus f:GHf: G \to H gibt, dann sind GG und HH aus algebraischer Sicht identisch. Sie unterscheiden sich nur durch die "Namen" ihrer Elemente.

Die Bijektion ff stellt eine vollständige Korrespondenz her:
- Jedes gGg \in G entspricht genau einem f(g)Hf(g) \in H
- Die Verknüpfungen entsprechen einander: g1g2g_1 * g_2 in GG entspricht f(g1)f(g2)f(g_1) \circ f(g_2) in HH

Wenn GHG \cong H (sprich: "GG ist isomorph zu HH"), dann hat jede algebraische Aussage über GG eine entsprechende Aussage über HH – und umgekehrt.

Beispiel

Isomorphie konkreter Gruppen

Die Gruppen (Z,+)(\mathbb{Z}, +) und (2Z,+)(2\mathbb{Z}, +) sind isomorph.

Der Isomorphismus ist f:Z2Zf: \mathbb{Z} \to 2\mathbb{Z}, f(n):=2nf(n) := 2n (Verdopplung).

Injektiv? Wenn 2m=2n2m = 2n, dann m=nm = n. Ja!
Surjektiv? Jede gerade Zahl 2k2k ist das Bild von kk. Ja!
Homomorphismus? f(m+n)=2(m+n)=2m+2n=f(m)+f(n)f(m + n) = 2(m + n) = 2m + 2n = f(m) + f(n). Ja!

Obwohl 2Z2\mathbb{Z} eine echte Teilmenge von Z\mathbb{Z} ist, sind die beiden Gruppen strukturell gleich!

Definition

Kern eines Homomorphismus

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Der Kern von ff ist die Menge aller Elemente, die auf das neutrale Element abgebildet werden:

Kern(f):={gGf(g)=eH}=f1({eH})\text{Kern}(f) := \{g \in G \mid f(g) = e_H\} = f^{-1}(\{e_H\})

Der Kern misst, wie "weit weg" der Homomorphismus von der Injektivität ist.

Kern(f)={gGf(g)=eH}\text{Kern}(f) = \{g \in G \mid f(g) = e_H\}
Satz

Zusammenhang: Kern und Injektivität

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Dann gilt:

ff ist injektiv \Leftrightarrow Kern(f)={eG}\text{Kern}(f) = \{e_G\}

Der Kern besteht also genau dann nur aus dem neutralen Element, wenn ff injektiv ist.

Beweis

"\Rightarrow": Sei ff injektiv. Wir wissen bereits, dass f(eG)=eHf(e_G) = e_H. Wenn nun f(g)=eHf(g) = e_H für ein gGg \in G, dann f(g)=f(eG)f(g) = f(e_G). Da ff injektiv ist, folgt g=eGg = e_G. Also Kern(f)={eG}\text{Kern}(f) = \{e_G\}.

"\Leftarrow": Sei Kern(f)={eG}\text{Kern}(f) = \{e_G\}. Seien g1,g2Gg_1, g_2 \in G mit f(g1)=f(g2)f(g_1) = f(g_2).
Dann: eH=f(g1)f(g2)1=f(g1)f(g21)=f(g1g21)e_H = f(g_1) \circ f(g_2)^{-1} = f(g_1) \circ f(g_2^{-1}) = f(g_1 * g_2^{-1})

Also liegt g1g21g_1 * g_2^{-1} im Kern, somit g1g21=eGg_1 * g_2^{-1} = e_G, also g1=g2g_1 = g_2.
Damit ist ff injektiv.

q.e.d.
Definition

Bild eines Homomorphismus

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Das Bild von ff ist die Menge aller Elemente in HH, die von ff getroffen werden:

Bild(f):={f(g)gG}=f(G)H\text{Bild}(f) := \{f(g) \mid g \in G\} = f(G) \subseteq H

Offensichtlich gilt: ff ist surjektiv \Leftrightarrow Bild(f)=H\text{Bild}(f) = H.

Bild(f)={f(g)gG}\text{Bild}(f) = \{f(g) \mid g \in G\}
Satz

Kern und Bild sind Untergruppen

Sei f:GHf: G \to H ein Gruppenhomomorphismus. Dann gilt:

a) Kern(f)\text{Kern}(f) ist eine Untergruppe von GG.

b) Bild(f)\text{Bild}(f) ist eine Untergruppe von HH.

Homomorphismen liefern uns also automatisch Untergruppen!

Beweis

Wir verwenden das Untergruppenkriterium: Eine nicht-leere Teilmenge UU ist Untergruppe, wenn für alle a,bUa, b \in U auch ab1Ua * b^{-1} \in U gilt.

Beweis für den Kern:

1. Kern(f)\text{Kern}(f) \neq \emptyset: Da f(eG)=eHf(e_G) = e_H, liegt eGe_G im Kern.

2. Seien a,bKern(f)a, b \in \text{Kern}(f), also f(a)=eHf(a) = e_H und f(b)=eHf(b) = e_H.
Dann: f(ab1)=f(a)f(b1)=f(a)f(b)1=eHeH1=eHf(a * b^{-1}) = f(a) \circ f(b^{-1}) = f(a) \circ f(b)^{-1} = e_H \circ e_H^{-1} = e_H
Also liegt ab1a * b^{-1} im Kern.

Beweis für das Bild:

1. Bild(f)\text{Bild}(f) \neq \emptyset: Da f(eG)=eHf(e_G) = e_H, liegt eHe_H im Bild.

2. Seien x,yBild(f)x, y \in \text{Bild}(f), also x=f(a)x = f(a) und y=f(b)y = f(b) für geeignete a,bGa, b \in G.
Dann: xy1=f(a)f(b)1=f(a)f(b1)=f(ab1)x \circ y^{-1} = f(a) \circ f(b)^{-1} = f(a) \circ f(b^{-1}) = f(a * b^{-1})
Da ab1Ga * b^{-1} \in G, liegt xy1x \circ y^{-1} im Bild.

q.e.d.
Beispiel

Kern der Exponentialfunktion

Betrachten wir nochmals exp:(R,+)(R>0,)\exp: (\mathbb{R}, +) \to (\mathbb{R}_{>0}, \cdot).

Kern: Welche reellen Zahlen xx erfüllen ex=1e^x = 1? Nur x=0x = 0!
Also: Kern(exp)={0}\text{Kern}(\exp) = \{0\}

Da der Kern nur aus dem neutralen Element besteht, ist exp\exp injektiv.

Bild: Jede positive reelle Zahl y>0y > 0 kann als y=elnyy = e^{\ln y} geschrieben werden.
Also: Bild(exp)=R>0\text{Bild}(\exp) = \mathbb{R}_{>0}

Da das Bild ganz R>0\mathbb{R}_{>0} ist, ist exp\exp surjektiv.

Zusammen: exp\exp ist ein Isomorphismus zwischen (R,+)(\mathbb{R}, +) und (R>0,)(\mathbb{R}_{>0}, \cdot)!

Beispiel

Der Signum-Homomorphismus

Die Abbildung φ:(Z,+)({1,1},)\varphi: (\mathbb{Z}, +) \to (\{1, -1\}, \cdot), definiert durch φ(n):=(1)n\varphi(n) := (-1)^n, ist ein Homomorphismus.

Prüfung: φ(m+n)=(1)m+n=(1)m(1)n=φ(m)φ(n)\varphi(m + n) = (-1)^{m+n} = (-1)^m \cdot (-1)^n = \varphi(m) \cdot \varphi(n)

Kern: Wann ist (1)n=1(-1)^n = 1? Genau dann, wenn nn gerade ist.
Also: Kern(φ)=2Z\text{Kern}(\varphi) = 2\mathbb{Z} (die geraden Zahlen)

Bild: Da φ(0)=1\varphi(0) = 1 und φ(1)=1\varphi(1) = -1, ist Bild(φ)={1,1}\text{Bild}(\varphi) = \{1, -1\}.

Der Homomorphismus ist surjektiv, aber nicht injektiv (da der Kern mehr als nur {0}\{0\} enthält).

Satz

Komposition von Homomorphismen

Seien f:GHf: G \to H und g:HKg: H \to K Gruppenhomomorphismen. Dann ist auch die Komposition gf:GKg \circ f: G \to K ein Gruppenhomomorphismus.

Ausserdem: Das Inverse eines Isomorphismus ist wieder ein Isomorphismus.

Beweis

Für die Komposition: Seien x,yGx, y \in G. Dann:
(gf)(xy)=g(f(xy))=g(f(x)f(y))=g(f(x))g(f(y))=(gf)(x)(gf)(y)(g \circ f)(x * y) = g(f(x * y)) = g(f(x) \circ f(y)) = g(f(x)) \circ g(f(y)) = (g \circ f)(x) \circ (g \circ f)(y)

Für das Inverse: Sei f:GHf: G \to H ein Isomorphismus. Da ff bijektiv ist, existiert f1:HGf^{-1}: H \to G.
Zu zeigen: f1f^{-1} ist ein Homomorphismus.

Seien x,yHx, y \in H. Dann existieren eindeutige a,bGa, b \in G mit f(a)=xf(a) = x und f(b)=yf(b) = y.
Es gilt: f(ab)=f(a)f(b)=xyf(a * b) = f(a) \circ f(b) = x \circ y
Also: f1(xy)=ab=f1(x)f1(y)f^{-1}(x \circ y) = a * b = f^{-1}(x) * f^{-1}(y)

q.e.d.

Zusammenfassung

  • Ein Homomorphismus f:GHf: G \to H erfüllt f(xy)=f(x)f(y)f(xy) = f(x)f(y) – er respektiert die Gruppenstruktur

  • Homomorphismen bilden eGe_G auf eHe_H und Inverse auf Inverse ab

  • Monomorphismus = injektiv, Epimorphismus = surjektiv, Isomorphismus = bijektiv

  • Der Kern Kern(f)=f1({eH})\text{Kern}(f) = f^{-1}(\{e_H\}) ist eine Untergruppe von GG

  • Das Bild Bild(f)=f(G)\text{Bild}(f) = f(G) ist eine Untergruppe von HH

  • ff ist injektiv \Leftrightarrow Kern(f)={eG}\text{Kern}(f) = \{e_G\}

  • Isomorphe Gruppen (GHG \cong H) sind algebraisch identisch