Von Aussagen zu Prädikaten
Die Aussagenlogik ist mächtig, aber sie hat Grenzen. Betrachte diese mathematische Aussage:
"Alle Primzahlen größer als 2 sind ungerade."
Wie würden wir das in Aussagenlogik ausdrücken? Wir könnten für jede Primzahl eine Variable einführen:
Aber es gibt unendlich viele Primzahlen – wir bräuchten unendlich viele Variablen! Außerdem verlieren wir den Zusammenhang zwischen "ist Primzahl" und "ist ungerade".
Für solche Aussagen brauchen wir ein neues Werkzeug: Die Prädikatenlogik.
Das Problem: "Alle" und "Es gibt"
Die Aussagenlogik kann folgende Formulierungen nicht direkt ausdrücken:
"Für alle Zahlen gilt..."
"Es existiert eine Zahl, die..."
Diese Wörter heißen Quantoren:
– "für alle" (Allquantor)
– "es existiert" (Existenzquantor)
Die Prädikatenlogik erweitert die Aussagenlogik um diese Quantoren.
Prädikate
Ein Prädikat ist eine Aussage mit einer "Lücke", die erst durch ein Objekt zur echten Aussage wird.
Beispiele:
- : " ist eine Primzahl"
- : " ist gerade"
- : " ist kleiner als "
Für sich allein ist keine Aussage – es fehlt ein konkreter Wert für .
Erst ("7 ist eine Primzahl") ist eine Aussage (und zwar eine wahre).
Quantoren
Mit Quantoren machen wir aus Prädikaten Aussagen:
– "Für alle gilt "
– "Es existiert ein mit "
Beispiele:
("Jede natürliche Zahl ist kleiner als ihr Nachfolger")
("Es gibt eine natürliche Zahl größer als 100")
Mathematische Aussagen formalisieren
Mathematische Aussagen formalisieren
"Alle Primzahlen größer als 2 sind ungerade."
Gelesen: "Für alle gilt: Wenn eine Primzahl ist und , dann ist ungerade."
"Es gibt unendlich viele Primzahlen."
Gelesen: "Zu jeder Zahl existiert eine Primzahl , die größer als ist."
Zusammenfassung
Die Aussagenlogik kann keine Quantoren ("alle", "existiert") ausdrücken
Prädikate sind Aussagen mit Lücken:
(Allquantor): "für alle x"
(Existenzquantor): "es existiert ein x"
Übungen
Welche Aussage kann die Aussagenlogik NICHT ausdrücken?